Klimaschützer EnBW?

Klimakongress in Berlin - EnBW als Klimaschützer?

Lobbyismus Teil 1:
Klimakongress in Berlin - EnBW als Speerspitze des Klimawandels?

Es ist kaum zu glauben, wenn man die Worte des EnBW-Vorsitzenden Utz Claassen in der Presseerklärung der EnBW vom 21.09.2006 liest.

Zitat:

EnBW-Chef Claassen: "Wir dürfen und wir werden keine Entscheidungen treffen, die Aspekte des Klimaschutzes ignorieren."
Berlin. „You do pioneer work.“ Dieses Fazit zog Jeremy Rifkin zum Abschluss des von der EnBW organisierten ersten Deutschen Klimakongresses am heutigen Donnerstag in Berlin. Als Initiator des Kongresses betonte der EnBW-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Utz Claassen, dass der Klimawandel die Existenz der Menschen bedrohe.
"Klimaschutz ist von erdgeschichtlicher Bedeutung. Ohne Alternative ist daher der globale Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Kernthema Entwicklung von Speicher- und Transportmedien. Dies geht jedoch nur, wenn wir einen unternehmensübergreifenden und die Politik sowie Wirtschaft vereinenden Ansatz suchen und finden."
Als Ergebnis des zweitägigen Expertengipfels „Klima im Wandel – Fakten, Folgen, Perspektiven“ legten die beteiligten Wissenschaftler einen Fahrplan, die "Berliner Erklärung", zum Schutz des Klimas vor.
In ihrer gemeinsamen Erklärung setzen sich die Teilnehmer des ersten Deutschen Klimakongresses der EnBW für ein Umdenken in puncto Klimaschutz ein. Der Klimawandel müsse endlich als Tatsache anerkannt und in konkrete Handlungen umgesetzt werden, forderten renommierte Klimaexperten wie der US-amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin oder der Meteorologe Prof. Dr. Mojib Latif. Zu den wichtigsten Zielen gehöre es dabei, die weltweite Erhöhung der Temperatur auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Deshalb müsse der weltweite CO2-Ausstoß bis 2050 halbiert werden.
Als ersten Schritt sieht die „Berliner Erklärung“ daher die Bildung einer offenen und regelmäßigen deutschen Klimagruppe vor, in der Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam Maßnahmen für eine Klima schonendere Energiepolitik entwickeln sollen.
Die Erklärung sei ein wichtiges Signal, betonte auch Mojib Latif. Jetzt gelte es zu handeln und nicht mehr zu debattieren.
Auch Jeremy Rifkin zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen des Kongresses: „Die Konferenz war eine internationale Plattform von herausragender Bedeutung. Mit dem Positionspapier legen wir ein Ergebnis vor, das nachhaltige Wirkung haben wird“. Veranstalter des Kongresses ist die EnBW Energie Baden-Württemberg AG. „Nur wenn Wissenschaft und Wirtschaft an einem Strang ziehen, können wir die Energieversorgung und das ökologische Gleichgewicht für die nachfolgenden Generationen sichern – als Energiekonzern sehen wir darin einen zentralen Auftrag. Die EnBW wird über ihre bisherigen Aktivitäten hinaus ihre Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz weiter intensivieren und keine Entscheidungen treffen, die Aspekte des Klimaschutzes ignorieren", sagte Claassen abschließend.
Zitat Ende.

Grandios! Herzlichen Glückwunsch!
Die EnBW als Speerspitze des Klimaschutzes und der erneuerbaren Energien? Wird eine von mir seit Jahren erhoffte Vision wirklich wahr? Ich bin ganz aufgeregt und musste die Pressemitteilung mehrmals lesen.

Die EnBW erkennt den Klimawandel unbestritten an. Wird die EnBW jetzt der deutsche Wegbereiter zur Verhinderung des Klimawandels?

Die erste positive Schock reduziert sich beim Nachdenken allmählich. Ich denke an ein Bibelzitat aus Matthäus 7, 16:
"An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von Dornen eine Traube, oder von Disteln Feigen?"
Ist es wahrlich nur Zufall, dass ausgerechnet einen Satz vorher folgendes Bibelzitat steht?
"Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe."

Nun, nachdem die Endorphinausstöße bei mir vorbei sind, legt sich das erste Glück wieder zur Bescheidenheit, denn es hätte mich überrascht, wenn auf dem Klimakongress ein Wunder geschehen wäre und die EnBW ein Bürgerprojekt Photovoltaik geworden wäre.

Der entscheidende Satz in der Pressemitteilung lautet nämlich:
Zitat Utz Claassen: "...Dies geht jedoch nur, wenn wir einen unternehmensübergreifenden und die Politik sowie Wirtschaft vereinenden Ansatz suchen und finden." Zitat Ende.


Da es einen solch "unternehmensübergreifenden" und "vereinenden" Ansatz in absehbarer Zeit nicht gibt, wird es eben auch keine bahnbrechende unternehmerische Entscheidung der EnBW in absehbarer Zeit geben.

Ich versuche den Wesenskern des letztgenannten Zitates von Utz Claassen zu treffen: In Bürgersprache heißt das, was er sagt, wie folgt: "Wenn andere Monopolunternehmen nichts unternehmen in der Frage der erneuerbaren Energien, warum soll ich als einziger Unternehmenschef eines Monopolunternehmens etwas unternehmen. Alle Monopolisten sollen etwas tun. Sonst schadet das möglicherweise der kurzfristigen Performance und den Aktionären der EnBW."

Die EnBW will suchen und finden. Sie sagt aber nicht was sie sucht und was sie finden möchte. Ist doch gut. Wie an Ostern. Suchen wir das Überraschungsei und wundern uns (nicht), wenn das Ei faul geworden ist.

Die in den letzten Monaten gestreuten positiven Meldungen über die Beteiligung an innovativen Kraftwerken der Zukunft ab den Jahren nach 2010 sind nicht wirklich ernst zu nehmende nachhaltige unternehmerische Entscheidungen im Sinne des Klimawandels und schon gar nicht im Sinne der obigen "Berliner Erklärung".

Man zeigt ein wenig Präsens, um sich nicht ganz fern von den Wünschen der Mehrheit der Bevölkerung zu bewegen. Denn die Menschen wollen laut einer aktuellen Forsa-Umfrage mehrheitlich langfristig keinen Atomstrom mehr haben.

Es wird demnach möglicherweise bei der schönen Erklärung von Berlin bleiben und große Entscheidungen wie bisher auf die "lange Bank geschoben".

Es bleibt eben bei der Vision. Solche Klimakongresse sind derzeit gute Marketing- und Alibiveranstaltungen von Monopolkonzernen zur Streuung von Sand in die Augen der Menschen.
Auch der Umweltminister hatte für die EnBW lobende Worte. Herr Gabriel hatte aber ganz vergessen zu fragen, welche konkreten Investitionen und in welcher Höhe in erneuerbare Energien und die Speicher- und Transportmedien durch die EnBW in den nächsten 2 Jahren getätigt werden. Denn immerhin ist der Klimawandel von erdgeschichtlicher Bedeutung lt. EnBW.

Aber so ist das in Politik und Wirtschaft. Die entscheidenden Fragen, die zum Handeln zwingen, werden erst gar nicht gestellt.

Wenigstens hatte jeder Beteiligte für ein paar Tage eine gute Presse.
Ich träume weiter davon, dass die Monopole die Speerspitze des Energiewandels werden.

Sonnige Grüße
Ihr Dietmar Helmer - Bürgerstrom